Gmünd – Ceske Velenice: Kulturspaziergang am 23. August war ein voller Erfolg

Der Besuch am Kulturspaziergang übertraf alle Erwartungen. Über 100 BesucherInnen begaben sich auf die Spuren von Franz Kafka und Milena Jesenská in Gmünd/České Velenice und besuchten Stationen einer außergewöhnlichen Begegnung an einem außergewöhnlichen Ort.

Den Veranstaltern ist es gelungen, das historische Treffen 100 Jahre danach wieder in den Blickpunkt zu rücken. Eine Lesung der Texte von Franz Kafka und Milena Jesenská, die sich auf Gmünd und die Liebesbeziehung, die fast ausschließlich in ihren Briefen Ausdruck gefunden hat, schloss die Veranstaltung ab und machte Lust auf mehr. Fortsetzung ist garantiert.

Harald Winkler gab beim Haus der Gmünder Zeitgeschichte einen Einblick in die spannende, wechselhafte Stadtgeschichte und betonte die „Begegnungsfunktion“, die dieser Stadt auch gegenwärtig zukommt.

Bei der Station Bleyleben erzählte Initiator Thomas Samhaber über die beiden Personen und das Treffen vor 100 Jahren. Während Kafka weltbekannt ist, wissen von der herausragenden Journalistin und Widerstandskämpferin Milena Jesenská noch immer nur wenige.

Bürgermeister Jaromír Sliva begrüßte in der Kastanienallee von České Velenice gemeinsam mit Gmünds Bürgermeisterin Helga Rosenmayer und der Abgeordnete zum NÖ Landtag Margit Göll die große Teilnehmerschar. Man war sich einig, dass diesen beiden Nachbarstädten in der Zusammenarbeit eine besondere Rolle zukommt, was Bürgermeister Jaromír Sliva (České Velenice) auf den Punkt bringt. „Wir sprechen schon lange nicht mehr von ‚grenzüberschreitend‘ – es heißt bei uns einfach ‚gemeinsam‘. Das ist gelebter Alltag.“

Der Historiker Jíří Österreicher sprach auf der Wiese, neben der das Hotel Huber gestanden hat und in dem Franz Kafka und Milena Jesenská im August 1920 genächtigt hatten. Anschließend führte er durch den heutigen Bahnhof, der in einigen Teilen wie dem Bahnhofsrestaurant, noch den prächtigen Jugendstilbau erkennen lässt.

Einprägsamer Abschluss des Kulturspazierganges war die Lesung von Texten von Franz Kafka und Milena Jesenská auf der Bühne des Kulturzentrums „fenix“ (České Velenice) in Originalsprache, – das Publikum konnte die Übersetzungen ins Tschechische bzw. Deutsche mitlesen.

Der erfahrenen Kafka Rezitatorin und Mitglied der österreichischen Franz Kafka Gesellschaft Charlotte Aigner sowie dem Schauspieler Šimon Pužej, der Milena Jesenskás Texte las, gelang es das Publikum zu fesseln und die Worte – 100 Jahre nach ihrer Niederschrift – hautnah erlebbar zu machen.

Mit südböhmischem Bier und Klobasa konnte man anschließend aus dem Reich der Poesie wieder auftauchen und gemeinsam mit Musik der „Třebonska 12“ am „Michlplac“ den Nachmittag heiter ausklingen lassen.

Die Veranstaltung wurde von den Städten Gmünd und České Velenice im Rahmen des EU Kleinprojekts „Mikrokosmos“ in Kooperation mit der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft und dem Kulturverein ÜBERGÄNGE PŘECHODY umgesetzt.

„Das Thema ist aber damit noch nicht abgeschlossen, sondern erst eröffnet“, betonen Kulturmanager Thomas Samhaber und Brigitte Temper-Samhaber. „Denn das Internationale cross border Kulturfestival ÜBERGÄNGE PŘECHODY im kommenden Sommer wird sich noch intensiv damit beschäftigen und dem historischen Liebespaar ein Denkmal setzen.“
Im Verlag der Provinz erscheint diese Tage das Lesebuch mit historischem Panorama „Begegnung an der Grenze – Milena Jesenská und Franz Kafka in Gmünd“

Eine Begegnung an der tschechisch-österreichischen Grenze, die Literaturgeschichte schreibt.

Franz Kafka und Milena Jesenská in Gmünd/Cmunt v Čechách

Vor genau 100 Jahren, im August 1920, kam es zur Begegnung von Franz Kafka und Milena Jesenská in Gmünd/Cmunt v Čechách. Die tschechische Journalistin und Übersetzerin aus Wien und der deutschsprachige Versicherungsangestellte und Schriftsteller aus Prag wollten einander auf halbem Weg treffen. Sie haben einander Briefe geschrieben und dabei eine große Liebe entfacht, nun kommt es zur persönlichen Begegnung zunächst in Wien, dann in Gmünd/Cmunt v Čechách, wo wenige Tage zuvor die Grenze zwischen den neuen Staaten gezogen wurde und der Bahnhof Gmünd nun in der Tschechoslowakei liegt. Eine Situation, die man mit einem Wort beschreiben könnte, das erst später in den weltweiten Sprachgebrauch kommen sollte: kafkaesk.


Diese schicksalhafte Begegnung der beiden Liebenden in Gmünd fand ihren Niederschlag in den „Briefen an Milena“ und damit Eingang in die Weltliteratur. Der deutschsprachige Jude Franz Kafka und die tschechischsprachige Katholikin Milena Jesenská sind Symbolfiguren für Verständnis und Liebe in der Überwindung von Grenzen.

Im Juli 2021 wird Franz Kafka und Milena Jesenská das Kulturfestival ÜBERGÄNGE PŘECHODY mit zahlreichen Veranstaltungen ein Denkmal setzen. Zum 100-Jahrjubiläum fand am 23. August 2020 in Gmünd und České Velenice der Kulturspaziergang auf den Spuren dieses historischen Liebespaar statt.

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