Gmünd – Ceske Vele3nice: Großer Erfolg für das 1. Internationale Kafka-Jesenska Symposium in Gmünd/České Velenice.

Unter dem Titel „Eine Liebe an der Grenze“ zeigte am 24. Juli eine hochkarätig besetzte internationale Fachtagung die historische und literarische Bedeutung der Begegnung von Franz Kafka und Milena Jesenská vor 101 Jahren in Gmünd (Cmunt v Čechách) nach. Die TeilnehmerInnen, unter Ihnen auch der Schriftsteller Robert Menasse, waren von der Fachtagung und dem umfassenden Rahmenprogramm begeistert. Den Initiatoren ist es nun endgültig gelungen, Gmünd und České Velenice als Ort der denkwürdigen Begegnung endgültig zu etablieren.

Im Rahmen des EU geförderten Projektes „Mikrokosmos“ luden die beiden Stadtgemeinden České Velenice und Gmünd in Kooperation mit der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft, dem Kulturverein ÜBERGÄNGE – PŘECHODY zum internationalen Symposium.
Sechs ReferentInnen beleuchteten im ehemals alten Kino und heutigem Kulturzentrum „fenix“ den historischen Kontext, die literarische Bedeutung und den biografischen Hintergrund der Begegnung.

Thomas Samhaber machte den Anfang. Er beschäftigt sich eingehend mit diesem Thema und hat dazu im Vorjahr das Buch „Begegnung an der Grenze“ geschrieben und die Veranstaltung initiiiert sowie inhaltlich und organisatorisch begleitet. In einer „Doppelbiografie“ zeige er Gemeinkeiten und Unterschiede der beiden außergewöhnlichen Menschen.

Die beiden herausragenden Kafka KennerInnen Thomas Aigner und Charlotte Aigner von der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft zeichneten ein anschauliches Bild über die Vorgeschichte der Gmünder Begegnung und illustrierten ihre Ausführungen mit Fotos von Kafkas Aufenthalt in Meran, in der Pension „Ottoburg“ und Wien.

Der Philosoph und ausgewiesene Kafka Experte Alfred Schmidt zeigte, wie sich die Liebe zu Milena Jesenská im Werk niedergeschlagen hat. Viele Spuren finden sich gerade in seinem Roman „Das Schloss“, die Begegnung in Gmünd stellte auch im Werk Kafkas eine Zäsur dar und es folgte unmittelbar danach eine literarisch sehr produktive Phase.

Aus Saarbrücken angereist war die Soziologin und Autorin Alena Wagnerová, die mit Ihren Publikationen – zuletzt „Prager Hinterhöfe“ – immer wieder erfolgreich versucht, die Schriftstellerin, Essayistin und Widerstandskämpferin Milena Jesenská im Deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Ihr Referat, das mühelos zwischen Tschechisch und Deutsch wechselte, berührte auch durch die ausgewählten Zitate von Milena Jesneská.

Harald Winkler, Gmünder Stadthistoriker und Kurator des „Haus der Gmünder Zeitgeschichte“, sprang kurzfristig für die angereiste aber plötzlich erkrankte Martina Schmidinger von der Universität Innsbruck ein, die ihr Referat online nachliefern wird. Winkler vermittelte kompetent und mit einzigartigem Bildmaterial unterlegt die Geschichte einer Stadt in der Zeit der Grenzziehung 1920, also genau zu der Zeit, als die Begegnung stattgefunden hat.

Der Historiker und Lehrer Jiří Österreicher, knüpfte an den Vortrag seines Kollegen an und fügte die Biografien von anderen „Grenzgängern“ dieser Zeit hinzu. Auch die Verhaftung der Caruso-Partnerin Emmy Destinová am Bahnhof „Gmünd“ (heute České Velenice) verwendete er als Beispiel für die vielen anderen hier Begegnungen, die hier stattgefunden haben.

Der letzte Teil des Symposiums war dem Thema „Kafka in uns“ gewidmet, das Robert Menasse mit seinen brillant formulierten Gedanken einleitete. Er wies auch darauf hin, wie schwierig es sei, Kafkas Texte unvoreingenommen zu lesen, weil das Kafka-Bild so dominant sei und den Zugang zum Text oft verstelle. Für ihn seien die Texte einzigartig, in ihrer Art nicht zu überbieten, auch nicht fortzusetzen. In ihrer Zeitlosigkeit treffen sie uns auch heute.

In die anschließende Diskussion brachte sich auch Gabriela Kalinová der Prager Franz Kafka Vereinigung ein.
Die Veranstaltung wurde zweisprachig durchgeführt und simultan übersetzt. Im Foyer konnte man eine von Brigitte Temper-Samhaber gestaltete Ausstellung sehen, ein reichhaltiger Büchertisch und eine Sonderbriefmarke der Briefmarkenfreunde aus Gmünd gab es noch zusätzlich.

Im Anschluss begab man sich auf einen gemeinsamen Spaziergang durch České Velenice zum Ort der Begegnung dem Bahnhof, wo die Gruppe eXtracello als Überraschung aller die Bahnhofshalle in ein Konzerthaus verwandelte.
Die Enthüllung eines (noch provisorischen) Kafka-Jesenská Denkmals brachte eine Bank mit den Unterschriften Franz und Milena zum Vorschein, das gleich von Bürgermeister Jaromír Sliva (České Velenice) und Helga Rosenmayer (Gmünd) für ein gemeinsames „Selfie“ genutzt wurde.

Das zahlreich erschienen internationale Publikum folgte interessiert allen Referaten und zeigten sich vom Inhalt, der Organisation und dem umfassenden Rahmenprogramm begeistert. Die TeilnehmerInnen nutzten die Gelegenheit für Gespräche und viele für einen mehrtägigen Aufenthalt in Gmünd zum Besuch weiterer Veranstaltungen wie die Performance „Kafka tanzt“ mit Žiga Jereb und Charlotte Aigner und weiteren beim Kulturfestival ÜBERGÄNGE – PRECHODY.

Projekt
Das gesamte Projekt (mit Symposium, Denkmal, Shuttlebus und Ausstellung) wird im Rahmen des Kleinprojektfonds von der EU geförderten Initiative „Mikrokosmos“ der beiden Stadtgemeinde Gmünd und České Velenice durchgeführt und von ILD Kulturmanagement organisiert. Die Österreichische Franz Kafka Gesellschaft ist Kooperationspartner und unterstützt bei Bewerbung und inhaltlicher Konzeption. Das Kulturfestival ÜBERGÄNGE PŘECHODY (www.prechody.eu, festival@prechody.eu) unterstützt die Initiative durch Mitbewerbung und Ergänzung einiger Programmpunkte und ein vielfältiges Zusatzprogramm bietet.

Idee – Lösung – Durchführung
Thomas Samhaber
sam@ild.cc
+43 664 150 53 48
www.ild.cc