Langenlois: Längst ein Fixpunkt im niederösterreichischen Veranstaltungsreigen ist die Septemberlese in Langenlois, ein kleines, aber feines Festival, das heuer zum dreizehnten Mal stattfindet und seit einigen Jahren ein ganzes Wochenende umspannt – Samstagabend und Sonntagsmatinee.

Die Zutaten zu dieser bekömmlichen Cuvée sind über die Jahre gleich geblieben: hochwertige zeitgenössische Literatur, kongeniale Musik, exzellenter Wein – das alles an wechselnden Schauplätzen … und das Publikum zieht begeistert mit.

Den Auftakt findet am Samstagabend um 18 Uhr im Arkadensaal Langenlois statt. Die erste Lesende ist die in Odessa geborene ukrainische Autorin Marjana Gaponenko mit Auszügen aus ihrem aktuellen Buch „Der Dorfgescheite“, einem von schräger Poesie und phantasievollem Witz durchwirkten Roman (ORF 1 Ex Libris, Günter Kaindlstorfer).
Anschließend geht es weiter in die Loisium Weinwelt, wo der bekannte niederösterreichische Autor Thomas Sautner das Publikum in „Großmutters Haus“, so der Titel seines jüngsten Romans, entführt – nicht nur in entlegene Winkel eines paradiesischen Gartens, sondern auch in Momente der Einsicht (Die Presse, Gudrun Baumsperger)

Schon zur lieben Tradition geworden ist der Samstagabschluss im Ursin Haus Langenlois. Der im Waldviertel geborene und in Wien lebende Autor Martin Peichl, der mit seinem Debütroman „Wie man Dinge repariert“ für Furore sorgt, hat in einem Interview erklärt, dass das Waldviertel für ihn (nur) eine Metapher sei. Die Sängerin Sigrid Horn, die mit ihrem Song „baun“ den diesjährigen Protest-Songcontest für sich entscheiden konnte und derzeit mit ihrer Debüt-CD „sog, i bin weg“ erfolgreich unterwegs ist, beweist, dass sich diese Aussage ohne weiteres auch auf das Mostviertel anwenden lässt.
Ein weiteres niederösterreichisches Viertel, nämlich das Weinviertel, kommt am Sonntagvormittag im Ursin Haus Langenlois zu Ehren, wenn Alfred Komarek, der Erfinder des bekannten Dorfgendarmen Simon Polt, Kostproben aus seinem jüngsten Buch „Alfred“ zum Besten geben wird – eine Anstiftung zur Entschleunigung und zum Innehalten (Haymon Verlag). Die kongeniale Musik dazu kommt von Jelena Popržan (Viola), die mit ihren Formationen „Catch-Pop String-Strong“ und „Madame Baheux“ schon zahlreiche musikalische Lorbeeren einheimsen konnte.

SAMSTAG, 21. SEPTEMBER 2019
18.00 Uhr – Arkadensaal Langenlois
Lesung: Marjana Gaponenko – „Der Dorfgescheite“ (C.H. Beck Verlag, 2018)
Der einäugige Ernest Herz hat, erschöpft von seinem exzessiven Liebesleben, den Posten des Bibliotheksleiters im Stift W. angenommen und besinnt sich auf seine nicht minder große, andere Leidenschaft – das alte Buch. Die Wohnung, die er im Kloster bezieht, hatte seinem Vorgänger, Pater Mrozek, gehört, der auf eine kuriose Art Selbstmord begangen hat.

Ernest Herz muss feststellen, dass er mit seiner Vision einer zeitgemäßen Bibliothek in der konservativ-klerikalen Gesellschaft des Klosters auf Widerstände stößt, dass mit seinem mitgebrachten Telefunkenradio etwas nicht zu stimmen scheint, weil es nur noch „Radio Gabriel“ empfängt, und dass der Selbstmord seines Vorgängers zahlreiche Fragen aufwirft. Eines Tages findet der Bibliothekar in einem Versteck ein Exemplar des mittelalterlichen Beststellers „Dialogus miraculorum“. Dem Buch fehlt der Einband, die Neugierde des Bibliothekars ist geweckt, er versucht nun nachdrücklich herauszufinden, was seinen Vorgänger dazu getrieben haben könnte, sich umzubringen. Weiß der junge, verstörend schöne Kellner der Gastwirtschaft „Zum Lamm“ unten im Dorf vielleicht mehr?

Skurril, komisch und liebevoll, mit ihrem unnachahmlichen Blick für das schräge Detail, macht Marjana Gaponenko die Welt der Bibliothek zum spannend-abgründigen Schauplatz.

„Marjana Gaponenkos Roman ist von schräger Poesie und phantasievollem Witz durchwirkt. Ein Buch, das die Kraft hat, sensible Gemüter zu verstören und die Freundinnen und Freunde grotesken Humors zu verzücken.“
(ORF 1 Ex Libris, Günter Kaindlstorfer)

ÜBER MARJANA GAPONENKO
Marjana Gaponenko wurde 1981 in Odessa geboren und studierte dort Germanistik. Nach Stationen in Krakau und Dublin lebt sie heute in Mainz und Wien. Sie schreibt seit ihrem sechzehnten Lebensjahr auf Deutsch und veröffentlichte u. a. die Romane „Wer ist Martha?“ (2012) und „Das letzte Rennen“ (2016). Sie wurde mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem österreichischen Literaturpreis Alpha und dem Martha-Saalfeld-Förderpreis ausgezeichnet.

SAMSTAG, 21. SEPTEMBER 2019
19.45 Uhr – Loisium Weinwelt
Lesung: Thomas Sautner – „Großmutters Haus“ (Picus Verlag, 2019)
Was ist ein gelungenes Leben? Die Begegnung mit der tot geglaubten, unkonventionellen Großmutter, die in einem verborgenen Haus mitten im Wald lebt, bringt einer jungen Frau unerwartete Erkenntnisse, die ihr Leben auf den Kopf stellen.
Malina lebt in der Großstadt, studiert und arbeitet nebenbei in einer Bücherei. Eines Tages bringt ihr der Postbote ein rätselhaftes Päckchen, prall gefüllt mit Geldscheinen. Auf einem beigefügten Kärtchen steht lapidar: „Anbei ein paar Zettel mit Nullen drauf. Deine Großmutter.“
Malina kann es kaum glauben, hat sie doch die Großmutter seit Jahren für tot gehalten. Also macht sie sich auf den Weg in ihre alte Heimat, zum großmütterlichen Haus, das tief im Wald versteckt liegt. Die alte Dame die sie dort vorfindet, ist extravagant, ausgeflippt und lebensfroh, zum Wiedersehen bietet sie ihrer Enkelin zunächst einen Joint an …
„Ebenso vergnüglich wie tiefsinnig ist die Lektüre von Thomas Sautners Roman Großmutters Haus (…), der die Erzählebene als Sprungbrett hin zu magischen Momenten nutzt. Er entführt nicht nur in entlegene Winkel eines paradiesischen Gartens, sondern auch in Momente der Einsicht. (…) Alles fügt sich ein in ein kunstvolles Vexierbild, in dem die Grenzen zwischen Literatur und Leben fließend sind.“ (Gudrun Braunsperger, Die Presse)
ÜBER THOMAS SAUTNER
Thomas Sautner wurde 1970 in Gmünd geboren, heute lebt er als Autor in seiner Heimat, dem nördlichen Waldviertel, sowie in Wien. Neben zahlreichen Essays und Erzählungen veröffentlichte der Picus Verlag seine Romane „Fuchserde“, „Milchblume“, und „Die Älteste“. Zuletzt erschienen das Kinderbuch „Rabenduft“ (gemeinsam mit Thomas Kriebaum, 2016) und die Romane „Das Mädchen an der Grenze“ (2017) und „Großmutters Haus“ (2019).

SAMSTAG, 21. SEPTEMBER 2019
21.30 Uhr – Ursin Haus Langenlois
Lesung: Martin Peichl – „Wie man Dinge repariert“ (Atelier Verlag, 2019)
Musik: Sigrid Horn (Trio) – Gewinnerin Protestsongcontest 2019
Das Leben eines Großstädters in seinen Dreißigern. Eigentlich will er nur seinen Roman fertigschreiben, doch das Leben kommt ihm ständig dazwischen. Sein Beziehungsstatus ist mehr als kompliziert, der tote Vater hinterlässt ihm ein Waldstück, mit dem er nichts anzufangen weiß, und das nächste Bier ist immer etwas zu schnell offen. Aber unterkriegen lässt er sich deshalb noch lange nicht …
BEZIEHUNGSSTATUS: Wir sind so romantisch wie ein Feuerwehrfest im Waldviertel kurz nach Mitternacht. (aus: „Wie man Dinge repariert“). Martin Peichls Roman ist das sympathische Porträt einer Generation, die sich weigert, den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Leider steht ihr die Sehnsucht nach Normalität dabei manchmal im Weg.
„So fatal der zeitdiagnostische Befund über eine selbstreferenzielle Generation ausfällt, die ihre eigenen Sehnsüchte und Bedürfnisse lieber verleugnet, als die eigene Coolness und (vermeintliche) Unabhängigkeit Preis zu geben, so lesenswert ist dieses intelligente und humorvolle Romandebüt!“
(Veronika Hofeneder, Buchmagazin Literaturhaus Wien)

ÜBER MARTIN PLEICHL
Martin Peichl, 1983 im Waldviertel geboren. Germanistik- und Anglistik-Studium, unterrichtet Deutsch, Englisch und wissenschaftliches Schreiben in Wien. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Wiener Literaturstipendium 2019, Hans-Weigel-Literaturstipendium 2018, Villacher Literaturpreis 2018, Forum Land Literaturpreis 2018, dritter Platz beim FM4-Kurzgeschichtenwettbewerb „Wortlaut“ 2017. Veranstalter der Lesereihe „In einer komplizierten Beziehung mit Österreich“. Verwendet Twitter als Notizbuch (@Untergeher83) und schreibt Gedichte auf Bierdeckel. „Wie man Dinge repariert“ ist sein erstes Buch.

ÜBER SIGRID HORN
Sigrid Horn, aufgewachsen im Mostviertel, erwachsen geworden in Wien. Die Liedermacherin singt in einem nicht klar zuordenbaren Dialekt und begleitet sich mit Ukulele oder Klavier. Sie ist nirgendwo zu Hause, macht es sich aber schnell bequem. Sowohl räumlich als auch künstlerisch pendelt sie zwischen Land und Stadt und nimmt von beidem etwas in ihre Musik mit.

Vor ihren Solo-Tätigkeiten war sie jahrelang Frontfrau der Band „wosisig“, mit der sie unter anderem mehrfach beim Protestsongcontest auftrat. Nach Auflösung der Band versuchte sie sich in anderen Genres und erkundete unter einem anderen Namen Poetry-Slam- und HipHop-Bühnen. Dabei sind gesellschaftskritische und feministische Themen ein roter Faden. Sie ist regelmäßig als Gastsängerin bei der Wiener Band „Dritte Hand“ zugegen.

Im Oktober 2018 erschien das erste Album von Sigrid Horn als Solokünstlerin bei bader molden recordings mit dem Titel „sog i bin weg“.

Im Februar 2019 konnte sie mit ihrem Song „baun“ den Protest-Songcontest für sich entscheiden.
Im Ursin Haus Langenlois tritt Sigrid Horn als Trio auf: Sigrid Horn: Stimme, Klavier, Ukulele – Sarah Metzler: Harfe, Stimme – Bernhard Scheiblauer: Ukulele, Concertina, Stimm, Klavier

SONNTAG, 22. SEPTEMBER 2019
11.00 Uhr – Ursin Haus Langenlois
Lesung: Alfred Komarek – „Alfred“ (Haymon Verlag, 2019)
Musik: Jelena Popržan (Viola)

Alfred und seine Reise in die andere, wirklichere Wirklichkeit. Smartphone aus, Fantasie an – „Alfred“ ist Spazierengehen im Geist. Alfred ist unscheinbar, er ist einer, der an jeder Ecke steht – oder eher hängt, denn Alfred ist ein Mistkübel. Einer, der allem, was in ihn hineingeworfen wird, versucht Sinn und Wert zu geben. Nicht lange und Alfred beschließt, das Mistkübeldasein hinter sich zu lassen und stattdessen in sich zu gehen. Dass er, in sich gegangen, erst einmal von all dem überfordert ist, was sich da drinnen abspielt, ist klar. Er macht den Fehler, vor sich selbst davonzulaufen, und fällt furchtbar auf die Nase.

Was Alfred auf seiner Reise noch alles widerfährt, ist schier unglaublich, doch eines ist sicher: Wer ihm in seine Geschichte hinein folgt, begibt sich auf die Spur zu einer anderen, wirklicheren Wirklichkeit – und steht am Ende vielleicht gar vor sich selbst.

Alfred Komarek stiftet an zur Entschleunigung und zum Innehalten.
Mit Alfred auf die Reise gehen, heißt berührt und bezaubert sein, irritiert und erheitert, und oft mehreres zugleich. Alfred Komarek erzählt von seinem Alfred ebenso spielerisch wie präzise, weicht keinem Himmel und keiner Hölle aus. Nicht zuletzt gibt er ihm aber schier unverwüstliche Lust am Leben mit. Sein Geheimnis liegt im Umgang mit der Umwelt und den Mitmenschen. Fantasie braucht es, um durch das Leben zu kommen, und ein hohes Maß an Rücksicht und natürlich ein Auge für die kleinen Dinge im Alltag. Nach seinen Romanen rund um Simon Polt und Daniel Käfer kehrt Komarek mit dieser besonderen Geschichte ein Stück weit zu sich selbst zurück.

Informationen-Fotos: KULTUR LANGENLOIS GMBH, Kulturmanagement Langenlois, Rathausstraße 4, 3550 Langenlois, www.kulturlangenlois.at