Krems: Höhere Gründungsraten im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung – Netzwerk-Forum des EU-Projekts MAGNET an der Donau-Universität Krems. Das Erkennen der Kompetenzen von MigrantInnen ist für eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration, insbesondere am Arbeitsmarkt, besonders wichtig.

Ein erfolgsversprechender Ansatz ist es, MigrantInnen am Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund beschäftigte sich das 1. Netzwerk-Forum des EU-Projekts MAGNET an der Donau-Universität Krems mit Chancen und Herausforderungen in Bezug auf die unternehmerische Selbstständigkeit von MigrantInnen.

Im Rahmen des EU-Projekts MAGNET (Migrant Acceleration for Growth – Network for Entrepreneurship Training) diskutierten am 22. Februar 2018 an der Donau-Universität Krems ExpertInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis über MigrantInnen als UnternehmensgründerInnen. Das Department für Migration und Globalisierung koordiniert MAGNET und wird in den nächsten drei Jahren mit PartnerInnen aus acht europäischen Ländern am europaweiten Erfahrungsaustausch, Netzwerkaufbau und einer TrainerInnen-Akademie arbeiten.
Selbständigkeit als Treiber für Integration

Migrationsexpertin Univ.-Prof. Dr. Gudrun Biffl von der Donau-Universität Krems verwies auf den „Global Entrepreneurship Monitor“ und die steigende Bedeutung von Selbstständigkeit als Treiber für Integration. Die Untersuchung von 69 Ländern aus 2012 zeige, dass die Anzahl von GründerInnen mit Migrationshintergrund in den meisten OECD-Ländern höher sei als die der einheimischen Bevölkerung. Gleichzeitig sei jedoch die „Überlebensrate dieser Unternehmen im Vergleich zu einheimischen wesentlich geringer“, erklärte Gudrun Biffl.

Insgesamt sei der Beitrag migrantischer UnternehmerInnen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze steigend. Dabei werde allerdings die Rolle von Frauen als „unsichtbare Mitarbeiterinnen“ in von Männern geführten Familienunternehmen unterschätzt. „Frauen leisten mit der Familienbetreuung unbezahlte Arbeit und ermöglichen dadurch den Erfolg der Unternehmen ihrer Männer“, so die Migrationsexpertin.

Aus der Perspektive der Politikgestaltung betonte Dr. Fulvia Farinelli von der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD), dass „Unternehmertum Arbeitsplätze schafft und Wirtschaftswachstum sowie Innovation antreibt“.

Jedoch stehen AsylwerberInnen, Flüchtlinge und MigrantInnen vor zahlreichen Problemen. Während der notgedrungenen Suche nach Einkommen und einem geeigneten Wohnraum „bleibe oft keine Zeit für Gründungen, weil sie das tägliche Leben organisieren, sich mit Traumata befassen, an Integrationskursen teilnehmen und die Anforderungen der Behörden in den Gastländern erfüllen müssen“, sagte Fulvia Farinelli.

Der UN-Gipfel für Flüchtlinge und MigrantInnen aus 2016 ermutigte daher, Migration nicht als Entwicklungsdefizit wahrzunehmen, sondern als Option, um Wirtschaftswachstum zu fördern.

* Unterstützung in der Gründungs- und Wachstumsphase:
Dr. Tina Gruber-Mücke von der FH Krems betonte insbesondere die Bedeutung einer Orientierungshilfe bei der Unternehmensgründung, allerdings nicht nur bei der Ideenfindungs- und Startphase, sondern vor allem auch während der Phase des Unternehmenswachstums. Hilfe beim Einstieg in die Selbstständigkeit bietet etwa das Projekt „MEnt“, das MigrantInnen und Flüchtlinge bei der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen im Bereich Entrepreneurship unterstützt, so Mag. Doris Kaiserreiner vom Zentrum für Soziale Innovation.

Im Rahmen des Netzwerk-Forums wurden generell zentrale Handlungsfelder zur Förderung und Unterstützung migrantischer UnternehmerInnen diskutiert. Das betrifft vor allem die Optimierung rechtlicher und struktureller Rahmenbedingungen, die Förderung unternehmerischer Kompetenzen, die Schaffung eines innovationsfördernden Umfelds, die Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungen sowie Bewusstseinsbildung und Vernetzung.