Foto © Stephan Schmatz

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Die Wachau ist ja nicht nur für die Donau, den Wein und die Barockstifte bekannt, sondern auch für die Ruinen. Böse Zungen haben sogar den Begriff „Wachauer Gebiss“ für ein Gebiss mit vielen Zahnlücken und kaputten Zähnen geprägt. Besonders bekannt sind natürlich die Ruine Aggstein, die Ruine Hinterhaus bei Spitz und die Ruine Dürnstein, die jedes Jahr tausende Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anlocken.

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In der Wachau gibt es aber auch noch viele weitere, den meisten Menschen kaum bekannte Ruinen, die aber auch alle ihre Geschichte erzählen können. Eine davon ist das „Burgkircherl St. Pankraz“ bei Gossam (Gemeinde Emmersdorf). Bereits im 9. Jahrhundert dürfte hier eine Burg errichtet worden sein. Um 1100 dann eine neuere Burg mit der dem Hl. Pankratius gewidmeten Kirche.

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Bereits etwa hundert Jahre später dürfte die Burg ihre Funktion verloren haben und zur Ruine verkommen sein. Interessanterweise begann dann wieder etwas hundert Jahre später eine intensive Wallfahrtstätigkeit zu dieser Kirche. Während die Burg immer mehr verkam wurde die Kirche zwischenzeitlich sogar erweitert!

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In der Reformationszeit, also ab dem 16. Jahrhundert, begann dann allerdings auch der Niedergang der Wallfahrt und der Verfall der Kirche. Ab den 1960er-Jahren begann dann die intensive wissenschaftliche Untersuchung der Kirche und der darunter liegenden Burganlage, wobei auch Gebeine sogenannter „unfröhlicher Kinder“ gefunden wurden, also unehelicher Kinder, die kurz nach der Geburt ungetauft verstorben waren und somit nicht am Friedhof (so einen gab es allerdings bei dieser Kirche nie) begraben werden durften, aber dafür am Rande der Kirche, wohl in der Hoffnung, dass ihnen wenigstens dadurch die Gnade Gottes zuteil werden konnte.

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Auch wenn die Burgruine Gossam zu den wissenschaftlich am umfangreichsten untersuchten Burganlagen ihrer Zeit zählt und auch wenn die Beschilderung des Weges zur Kirche (die Koordinaten sind übrigens 48.2629094, 15.3354415 bzw. 48° 15′ 46.47“ N, 15° 20′ 7.59“ E) gut ist, so blieb sie dennoch kaum bekannt und vom Massentourismus verschont – wohl weil die Anziehungskraft der großen Ruinen Aggstein, Hinterhaus und Dürnstein einfach zu groß ist.

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Direkt unter der Kirche gibt es übrigens einen kleinen Parkplatz – man kann aber auch gut (selbst mit Kindern) von Gossam aus, der Straße am Felbringbach entlang, zu Fuß hinwandern. Allerdings sollte man auf der Ruine selbst immer gut auf die Kinder achtgeben, sie ist eben eine mittelalterliche Burgruine und kein Abenteuerspielplatz.

Eine umfangreiche Abhandlung zur Burgruine Gossam finden Sie übrigens auf www.burgenkunde.at!

Weitere Ausflugs- und Wandertipps finden Sie auf der Website unserers Autors Stephan Schmatz – www.schmatz.blog!