Martinsberg: Die Klimakrise hat im Waldviertel bereits deutliche Spuren hinterlassen.

Im Winter 2017 hat ein Starkwettereignis zu einem Eisbruch geführt – ein Fichten-Jungwald wurde zerstört. Die Klimabündnis-Gemeinde Martinsberg reagierte darauf und startete gemeinsam mit der NMS Martinsberg das Projekt „Wald der Zukunft“.

Eine 5.000 m² große Versuchsfläche mit 2.000 Bäumen in Mischkultur samt Waldlehrpfad wurde errichtet und jetzt von Bürgermeister Friedrich Fürst und der KLAR!-Managerin Doris Maurer feierlich eröffnet. Über Naturverjüngung und exotische Baumarten als Fluch oder Segen diskutierten bei der anschließenden Abendveranstaltung über 100 Personen mit Dr. Silvio Schüler und DI Werner Ruhm vom Bundesforschungszentrum für Wald. Mit dabei waren auch Herbert Grulich vom Verein zur Förderung des Waldes und Bezirksjägermeister Manfred Jäger.

Fichtenwälder kommen immer stärker unter Druck
Der Klimawandel und die damit verbundene Temperaturerhöhung und Verlängerung der Vegetationsperiode setzt die für das Waldviertel charakteristischen Fichtenwälder zunehmend unter Druck. Doch was können wir tun um den Wald auf die Auswirkungen des Klimawandels fit zu machen? Und was sind weitere zukünftige Herausforderungen und Chancen für die Wälder im Waldviertler Kernland? Diese und noch viele andere Fragen wurden im Rahmen der Veranstaltung Klimafitter Wald in der Klimabündnis-Gemeinde Martinsberg diskutiert.

Versuchsfläche und Lehrpfad eröffnet
Wie der Wald der Zukunft aussehen kann, zeigt ein Feldversuch der Marktgemeinde Martinsberg und des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) auf einer so genannten NETGEN*-Versuchsfläche Gemeinsam mit den Kindern der Mittelschule wurden auf einem halben Hektar zerstörter Waldfläche ca. 2.000 neue Bäume in Mischkultur gepflanzt. Auch auf die ökologische Waldrandgestaltung wurde in Kooperation mit der Jägerschaft geachtet. BGM Friedrich Fürst freute sich bei der Eröffnung sehr über die vielen Besucherinnen und Besucher. Neben forstwirtschaftlich Interessierten fanden sich auch Jäger und Lehrpersonal der Mittelschule Martinsberg zur gemeinsamen Begehung der Fläche ein. Über 40 Personen konnten sich so von der erfolgreichen Umsetzung des zukunftsfähigen Mischwaldes inklusive Lehrpfad überzeugen. Wie wichtig ein gesunder Wald für uns alle ist, wurde von allen Seiten betont. „Denn der Wald ist nicht nur Leidtragender des Klimawandels, er ist auch die Lösung“, so Irene Gianordoli, Projektleitung NETGEN (BFW).

Naturverjüngung und exotische Baumarten als Fluch oder Segen?

Großes Interesse herrschte auch bei der darauffolgenden Abendveranstaltung. 80 Personen folgten der Einladung vom Gastgeber BGM Friedrich Fürst, KLAR!-Managerin Doris Maurer und Klimabündnis NÖ unter Einhaltung der 3-G-Regel in den Martinssaal (Marktgemeinde Martinsberg). Weitere 50 Interessierte folgten dem Programm via Livestream unter www.waldundholz.at.
Dass sich zukünftig auch Chancen für die lokale Forstwirtschaft ergeben, zeigten die Vorträge von Dr. Silvio Schüler und DI Werner Ruhm (BFW). Dabei wurde nicht nur auf die geeignete Baumartenwahl und den Einsatz von nicht-heimischen Bäumen eingegangen, wir erfuhren außerdem, wie man auch mit Laubholz in Zukunft gewinnorientiert wirtschaften kann.

Durch’s Reden kommen die Leut zam!
Bei der anschließenden Diskussionsrunde bekamen dann alle die Möglichkeit, ihre Fragen via SMS zu stellen. Ing. Emil Honeder gab diese an die forstwirtschaftlichen Experten weiter. Neben Ing. Herbert Grulich (Verein zur Förderung des Waldes), Andreas Sandler (Obmann WWG Ottenschlag) Dietmar Hipp (Obmann LK Zwettl) gesellte sich auch Bezirksjägermeister Manfred Jäger zu den Spezialisten des BFW auf’s Podium. Wie wichtig dieser breite offene Austausch ist, wurde immer wieder von allen Seiten betont. „Denn durch’s Reden kommen die Leut zam!“, so die Antwort von Ing. Grulich auf die Frage, wie man den Dialog von Jagd-, Land- und Forstwirtschaft verbessern kann. Doch nicht nur diese drei Gruppen sind gefordert. Denn den Herausforderungen des Klimawandels sind wir nur gewachsen, wenn wir alle an einem Strang ziehen – da sind sich alle Expertinnen und Experten einig. Dass dieser Dialog gelingen kann, zeigt unter anderem die frisch eröffnete NETGEN-Versuchsfläche, bei der auch Ing. Grulich maßgeblich beteiligt war vor.

*Netzwerk Genetik Wald (NETGEN)
Bäume besitzen innerhalb ihrer Art große Unterschiede. Viele Eigenschaften davon sind entscheidend für ihre Klimafitness und können daher aktiv genutzt werden um den Wald widerstandsfähiger gegen Schäden und anpassungsfähiger an die zukünftigen Bedingungen zu machen. Dauerversuchsflächen wie jene in Martinsberg machen diese Unterschiede sichtbar. NETGEN ist ein Netzwerk an Dauerversuchsflächen quer über ganz Österreich unter anderem zu den Themen: Baumsamen, Baumartenwahl, Waldverjüngung, Waldpflege, Holzernte.

Foto: Alexander Braun, Klimabündnis NÖ
Am Bild v.l: Regionsobmann Christian Seper, Doris Maurer (KLAR! Waldviertler Kernland), BGM Friedrich Fürst (Gemeinde Martinsberg), Emil Honeder, Christina Mayrhofer (Klimabündnis) Herbert Grulich (Verein zur Förderung des Waldes), Manfred Jäger (Bezirksjägermeister Zwettl), Andreas Sandler (Obmann WWG Ottenschlag), Werner Ruhm (BFW), Silvio Schüler (BFW), Dietmar Hipp (Obmann LK Zwettl), Irene Gianordoli (BFW)

Rückfragen:
Hannes Höller,
Klimabündnis NÖ,
T: 02742/269 67-20,
Doris Maurer, KLAR!-Region Waldviertler Kernland,
d.maurer@waldviertler-kernland.at