Zwettl: Bereits 30 Jahre lokaler Hopfenanbau: Hopfen ist eine Waldviertler Erfolgsgeschichte „The green lie“ versus die Wahrheit rund um heimischen Hopfen.

Privatbrauereien im ganzen Land luden zu „Hopfen-Gesprächen“ 100 Edelkorn-Landwirte ernten Braugerste für Zwettler Bier.

Die Privatbrauerei Zwettl verarbeitet seit vielen Jahren Rohstoffe aus der heimatlichen Region: So wurde der Hopfenanbau auf Initiative der Privatbrauerei rund um die Braustadt Zwettl vor mehr als drei Jahrzehnten wieder aktiviert, das exzellente Brauwasser bezieht Zwettler aus eigenen Quellgebieten und der Bedarf an Braugerste stammt zum überwiegenden Anteil aus regionalem Anbau.

„Wir leben unsere Kooperationen mit unseren langjährigen Zwettler Hopfenbauern sowie der Waldviertler Erzeugergemeinschaft Edelkorn für Braugerste partnerschaftlich und intensiv“, freut sich Brauerei-Inhaber Mag. Karl Schwarz. – – Der Hopfen stand auch beim „Ersten Hopfen-Gespräch“ – zu dem nebst der Privatbrauerei Zwettl auch 15 weitere, namhafte Privatbrauereien im ganzen Land geladen hatten – im Zentrum: Trägt er doch dazu bei, dem „Bier Seele zu geben“, und wird aktuell von internationalen Braukonzernen „werblich für sich eingenommen“ – allerdings kann mit der gesamten heimischen Erntemenge hochgerechnet nur ein Drittel der in Österreich produzierten Biermenge abgedeckt werden.

Regionstypischer Genuss: Zwettler Bier schmeckt „nach Waldviertel“. „Meine Familie hat den Hopfen zurück ins Waldviertel gebracht. Rund um Zwettl ernten sieben Partner-Landwirte auf knapp 14 Hektar Anbaufläche Jahr für Jahr durchschnittlich 20.000 Kilogramm vorzüglichen Hopfen. Wir sind stolz darauf, in fünf Orten zwölf Hopfengärten sowie fünf Darren zur Trocknung und Zwischenlagerung des Hopfens zu haben“, so Karl Schwarz. Er verkündete, künftig auch weitere Spezial-Hopfen im Waldviertel kultivieren zu wollen.

„Es ist der Wunschtraum jedes Brauers, wenn alle Zutaten aus der Gegend kommen – denn dann ist das Zusammenspiel ideal und das Bier besonders harmonisch“, erläutert der Zwettler-Braumeister Heinz Wasner.

Er ist der Ansprechpartner für die sieben Bauernfamilien, die de-facto-Vertragslandwirtschaft betreiben.

„Wir sind eine verschworene Gemeinschaft“, weiß Josef „Sepp“ Fröschl, Hopfenbauer seit 25 Jahren. „Wenn jetzt Konzerne behaupten, nur sie verwenden Naturhopfen, dann kann ich schon grantig werden. Ich lade die Damen und Herren zu uns ins Waldviertel ein – dann können sie sich von der Natürlichkeit unseres Hopfens überzeugen und sehen, wie wir das hier handhaben.“

Dass z.B. der Spruch „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herren sehen“ der Wahrheit entspricht, erfuhren die Gäste des „Hopfen-Gespräches“: Partner der Brauerei, Gastwirte und FB-Fans waren eingeladen, einen Blick „hinter die Kulissen“ zu werfen. Anwesend waren u.a. die Abgeordnete zum Nationalrat Angela Fichtinger, Landtags-Abgeordneter Franz Mold, der Zwettler Bürgermeister Herbert Prinz, Mag. (FH) Andreas Schwarzinger, Geschäftsführer des Waldviertel Tourismus, Reinhard Todt vom s´Beisl aus Zwettl, Rudolf Hirsch und Renate Stadlhofer vom Wirtshaus Hirsch in Groß Gerungs, Christian Schierhuber, Hamerling-Wirt, sowie Markus Hann, Regionaldirektor IPP-Hotels sowie David Binder, Hoteldirektor von der Schwarz Alm.

Alfred Sturm, Obmann der Erzeugergemeinschaft Edelkorn, erklärt: „Wir kooperieren seit vielen Jahren mit der Privatbrauerei Zwettl. Von unseren 450 Mitgliedern nehmen dadurch 100 Gerste-Bauern die Möglichkeit wahr, jährlich insgesamt rund 1.600 Tonnen heimische Gerste für die Zwettler Brauerei zu liefern.“ Dass das in Zeiten „wo Flexibilität und Unverbindlichkeit die neue Währung sind“ die „einzige Chance ist, nachhaltig zu überleben“, versteht sich. Das „Bierviertel Waldviertel“ bringt die optimalen Bedingungen für Braugerste mit.

„Für uns ist es ein besonderes Gefühl, den Grund und Boden und die Bauern zu kennen, die unsere Rohstoffe anbauen. Das garantiert die Authentizität der Waldviertler Biere“, weiß Karl Schwarz. Ein Mehrwert, den er in Form eines vereinbarten „Waldviertelbonus“ an die Landwirte weitergibt.

Johannes Gutmann, Geschäftsführer und Gründer von Sonnentor, zum aktuellen Anlass: „Lügen haben kurze Beine, das sagt schon ein altes Kindersprichwort. Deshalb bleiben natürliche Rohstoffe auch unverfälscht und giftfrei, wenn sie so kultiviert werden.“

„Genauso wie man das Waldviertel mit Ruhe und Natur assoziiert, ist das Bier und die Braukultur mit dem Waldviertel eng verwoben und wenn wir in unserer Heimat von Bier sprechen, dann meist von den tollen Produkten der Zwettler Brauerei von Karl Schwarz. Die Idee, mit Bauern über einen langen Zeitraum zusammenzuarbeiten, die Menschen hinter den Rohstoffen kennenzulernen, deren Ängste, Sorgen und auch Ideen hören und verstehen und schließlich ein natürliches, echtes und wunderbares Produkt herzustellen, ist etwas ganz Besonderes. Hinzu kommt, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Viele Menschen haben einen sicheren Arbeitsplatz, sei es bei der Brauerei direkt, oder in den Zulieferbetrieben, hier werden Existenzen gesichert“, so die Waldviertler Abgeordnete zum Nationalrat, Angela Fichtinger.

Zwettler Hopfen

Die Seele des Bieres – Wiederentdeckung im Waldviertel: Der Hopfenanbau im Waldviertel blickt auf eine lange Tradition: Mit Beginn des Ersten Weltkrieges musste der Hopfen allerdings dem Brotgetreide weichen und wurde danach kaum noch kultiviert. Der Privatbrauerei Zwettl ist es zu verdanken, dass die lange Zeit in Vergessenheit geratene Kulturpflanze im Waldviertel wieder heimisch geworden ist: Komm.-Rat Karl Schwarz sen. hat vor über 30 Jahren die ersten Landwirte dazu „überredet“, es wieder mit dem Hopfenanbau zu versuchen.

Hinweise hat er damals aus Wegbezeichnungen und historischem Material erhalten: „Wenn in einer Gegend Wege `Hopfenleiten` oder `Hopfendank` heißen, kann das doch nur bedeuten, dass Hopfen eine Rolle gespielt hat.“ Mit dem Hopfenanbau ist im Raum Zwettl ein altes Kulturgut wiederbelebt worden – dass dies großes Engagement und Begeisterung braucht, ist klar.

Wie der Hopfen ins Bier kommt: Bereits eine Dolde reicht, um einem Seidl Bier „den typisch bierigen Geschmack zu verleihen“, weiß Braumeister Wasner. Jährlich werden mehr als 20 Tonnen Hopfen der Sorten “Zwettler Perle”, “Hallertauer Tradition” sowie „Magnum“ zuerst direkt in den Darren auf den Höfen im Waldviertel getrocknet und zur Weiterverarbeitung aufbereitet. Dazu werden sie – nach erfolgreicher Prüfung der Qualitätsstufen – luftdicht in 50kg schwere Viereckballen verpackt.

Die Weiterverarbeitung zu Pellets erfolgt in Oberösterreich. „Dabei erhält der Hopfen nur eine andere Form – das Gute wird besser gespeichert, es gibt keine Geschmacksverluste durch Lagerung.“ Bei der Herstellung werden die getrockneten Hopfendolden zuerst zerkleinert und dann gepresst. „Das ermöglich uns die individuell angepasste Hopfengabe fürs Bier“, so Wasner.

Der Hopfen mag das „Waldviertler Reizklima“: Hopfen braucht viel Wasser und ein raues Klima mit starker Sonneneinstrahlung und deutlichen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, um wachsen zu können. Daher gibt es in Österreich nur drei Anbaugebiete mit insgesamt 257 Hektar Fläche: Neben dem Waldviertel sind nur noch Böden und Klima im Mühlviertel und dem steirischen Leutschach geeignet, um die empfindliche Pflanze zu kultivieren. Allerdings kann mit der gesamten heimischen Erntemenge hochgerechnet nur ein Drittel der in Österreich produzierten Biermenge abgedeckt werden. Hopfenproduktion im großen Stil betreiben in Europa Deutschland mit 16.800 Hektar und Tschechien mit rund 4.300 Hektar Anbaufläche.

Beste Rohstoffe für Spezialbiere: Innovative und kreative Biere – gerne als Craft-Biere bezeichnet – liegen im Trend: „Biere mit Ecken und Kanten sind unsere Kernkompetenz“, so Schwarz.

Das Erfolgsgeheimnis von Zwettler: „Wir setzen bewusst auf eigenständige Biere – gebraut aus regionalen Zutaten.“

Investition in das Naturprodukt Wasser: Heuer stehen in der Brauerei auch Investitionen und Maßnahmen in die langfristige Sicherung der Brauwasserqualität sowie eine noch stärkere Fokussierung auf die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität an. Bereits im Vorjahr wurde eine halbe Million Euro in das hauseigene Wasserwerk investiert, welches die Brauerei mit dem – nicht nur mengenmäßig – wichtigsten Rohstoff versorgt.

Neptun Wasserpreis: Partnerschaft mit Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus. Gerade weil Wasser für die Brauerei so wichtig ist, möchte Zwettler sein Engagement hier noch weiter ausbauen: „Wir haben das große Glück, auf eigene Quellen zurückgreifen zu können. Um die wertvolle Ressource Wasser zu schützen und ihr die nötige Aufmerksamkeit zu sichern, unterstützen wir den Neptun Wasserpreis des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus“, so Karl Schwarz stolz.

Der Neptun-Wasserpreis ist der Österreichische Umwelt- und Innovationspreis zu Themen rund ums Wasser und wird alle zwei Jahre vergeben. Zwettler übernimmt die Kategorie-Patenschaft für WasserKREATIV, den Bereich für zeitgenössische Kunst zum Thema Wasser.

Faktenkasten: 14 ha Hopfen-Anbaufläche – 7 Bauernfamilien – 5 Darren – durchschnittlich 20.000 kg Hopfenernte pro Jahr – seit Anbaustart wurden 600.000 kg Hopfen für Zwettler geerntet – Hopfen für heimisches Bier wächst im Waldviertel, dem Mühlviertel und um Leutschach – die gesamte heimische Hopfenmenge reicht nur für 1/3 des in Österreich produzierten Bieres aus! – – Über den Hopfen – „Bier ist weiblich“: die schöne Unbekannte Humulus lupulus Der Hopfen ist den meisten wohlvertraut vom Biertrinken. Er ist derjenige, der das Bier herb macht und ihm Aroma gibt, außerdem ist er teilweise für die beruhigende Wirkung des Bieres verantwortlich. Für das Bierbrauen werden nur Teile der weiblichen Pflanze – die Dolden – verwendet.

Der Hopfen gehört botanisch zu den Hanfgewächsen. Die Kletterpflanze mit den zackigen Blättern und hübschen grüngelben Zapfen – den Dolden – rankt sich an den Gerüstanlagen hoch und wächst vorwiegend während der Nacht.

Ernte-Erlebnis für Groß und Klein: Bei der spektakulären Ernte im Spätsommer werden die Hopfenranken von den bis zu acht Meter hohen Klettergerüsten gezogen. Die Hopfenernte erfolgt heutzutage zwar maschinell, erfordert aber dennoch großes Geschick der Landwirte und wird mit zumeist selbstgebauten hohen Aufbauten auf den Traktoren durchgeführt.

Am Hof ist dann der Einsatz der gesamten Familie gefragt: Die Hopfendolden, die für den markanten Biergeschmack verantwortlich zeichnen, werden maschinell abgezupft und müssen möglichst schnell getrocknet werden, da die wertvollen Inhaltsstoffe sehr luft- und temperaturempfindlich sind. „Was beim Wein das „Lesen“ ist beim Hopfen das „Zupfen“, erklärt Heinz Wasner.

Über Zwettler: Die Privatbrauerei Zwettl mit Sitz im nördlichen Niederösterreich besteht seit 1708. In der fünften Generation führt die Brauerfamilie Schwarz nunmehr seit mehr als 125 Jahren die Geschicke des Unternehmens. Der jährliche Bierausstoß von „Zwettler“ belief sich 2017 auf 187.700 Hektoliter Bier bei einem Gesamtumsatz des Waldviertler Familienunternehmens von 23,9 Millionen Euro. 120 Mitarbeiter sind direkt in der Privatbrauerei beschäftigt, indirekt sichert sie dank der Vielfalt an Zulieferern in der Region sehr viele Arbeitsplätze.

Nachhaltiges Agieren steht im Fokus der Brauerei: So stammen die Rohstoffe Brauwasser, Hopfen und Braugerste überwiegend aus der Region – der Hopfenanbau im Waldviertel wurde auf Initiative der Brauerei wiederbelebt. Zwettler ist Mitglied der Interessensgemeinschaften „Die Freien Brauer“ sowie der heimischen „Culturbrauer“.

Informationen-Foto: Rudolf Damberger, Marketingleiter Privatbrauerei Zwettl, www.zwettler.at